Rudolf Dister zu den Anfängen des Künstlerbunds

 

Ende der 60er Jahre entwickelte sich in Speyer eine moderne Kunstszene.

Auftakt war die Gründung der Gruppe Argo mit Hein Albig, Rudolf Dister, Thomas Schubert und Willy Weiglein. Sie initierte nach ihrer ersten Ausstellung in der Alten Sparkasse zusammen mit Jakob Weber die Gründung des Speyerer Kunstvereins.

Daneben gab es kleinere Galerien, die für die Kommunikation innerhalb der Kunstszene wichtig waren, z.B. die von Gerhard Fuchs, Klaus Fresenius und Michael Heinlein geführte Galerie "Flohmarkt" in Rolf Berzels Alhambra oder die von Hans Georg Schlothane in seiner Druckerei betriebene Galeria "Studio 68" in der Johannesstraße.

 

Verschiedene Ateliers wurden Treffpunkt für andere junge Künstler, z.B. bei Roland Berst, Bernd Benedix und Paul in den Eicken, in den Ateliers von Frank Liebscher oder Rudolf Dister und im Vernissageatelier Weihe im Industriehof. Manfred Weihe sammelte durch seine rege Austellungstätigkeit eine Reihe Künstler und Kunstbegeisterte um sich und vermittelte avantgardistische Strömungen nach Speyer.

In der Pizzeria von Mario Macaluso in der Roßmarktstraße traf man immer wieder Künstler und Kunstfreunde, was zu anregenden Gesprächen und Diskussionen führte. Hubert Faath war einer der immer anzutreffenden Stammgäste.

 

1984 sollte zum Partnerschaftsjubiläum eine Ausstellung Speyerer Künstler in Chartres stattfinden. Nach einer heftigen Diskussion im alten Rathaus erwartete Oberbürgemeister Dr. Christian Roßkopf, daß sich die hiesigen Künstler nur mit Motiven aus Speyer beteiligen sollten. Dies lehnte die Mehrzahl der Speyerer Künstler entschieden ab und entschloß sich zu einer eigenen Ausstellung "Les Autres" in der "Galerie Eins" von Hans Peter Stahl und Klaus Fresenius in der Oberen Langgasse. Die Ausstellung in Chartres kam daher nicht zustande.

 

Um der Stadtverwaltung gegenüber eine geschlossene Position zu gewinnen, entstand die Idee und der Plan, einen Künstlerbund zu gründen, um die modernen Stömungen in Speyer zusammenzufassen. Im Nebenzimmer des "Rabennests" konnte man sich dann nach wochenlangen Diskussionen in einer Gründungsversammlung einigen, der Bernd Benedix und Wolf Spitzer leider fernblieben. Paul in den Eicken wurde zum 1.Vorsitzenden gewählt.

 

Nach Widerständen von Oberbürgermeister Dr.Roßkopf ermöglichte Hanspeter Brohm die erste Künstlerbundausstellung im Untergeschoß des Alten Stadtsaals, der auf der Abrißliste stand und für sportliche Aktivitäten der städtischen Angestellten benutzt wurde. Das Untergeschoß wurde geweißelt und unter Mithilfe des Städtischen Bauhofs wieder hergerichtet.

 

Die erste Ausstellung war ein voller Erfolg und gleichzeitig war damit der Alte Stadtsaal vor dem Abriß gerettet, sodaß sich weitere Ausstellungen des Künstlerbunds auch in den oberen Räumen anschließen konnten.

Das war zugleich der Anfang der Entwicklung dieses innerstädtischen Bereichs zu einem lebendigen kulturellen Zentrum, wie wir es heute vorfinden.

Rudolf Dister war einer der Initiatoren des Künstlerbunds Speyer, in den Anfängen zweiter Vorsitzender und ab 1997 für vier Jahre Vorsitzender der Vereinigung